Sein oder Design ist nicht mehr Frage, sondern schon Antwort. So schafft die entstellteste Menschheit das höchste Bruttosozialprodukt.

BORAT oder warum Sascha Cohen seinen Faustdildo behalten kann. Von Richard Schuberth

14. Mai 2012 | Kategorie: Notizen zur Zeit, Richard Schuberth

Richard Alexander Schubert ist Schriftsteller – unter anderem -  und lebt in Wien. Die Lektüre seiner Schriften sei nochmals dem empfohlen, der den Kopf nicht nur als Huthalter oder Frisierobjekt missbraucht, besonders der Text: Richard Schuberth                                                                                  30 Anstiftungen zum Wiederentdecken von Karl Kraus 238 S. , EUR 24, Broschur mit Fadenheftung ISBN 978-3-85132-531-7, 2008 Der folgende zeitlose Text  erschien  vor ein paar Jahren unter dem Titel « Ein Waterloo der westlichen Spaßkultur» im «Standard» und trifft  auf  viele Comedyköpfe und Comedy-Konsumos zu. Mit der Bezeichung “Abrissbirne”, in passivischer Bedeutung, sei deren Halsaufsatz eine angemessene sprachliche Behausung zugewiesen. W.K. Nordenham Wer Arschlöcher verarscht, ohne eine Welt ohne Arschlöcher zu wünschen, ist kein Kritiker, sondern [...]

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Seelenmord – Was ein Mensch wert ist. Von W.K.Nordenham

07. Mai 2012 | Kategorie: Artikel, Seelenmord

Spiegel-online  12.3.2012 Kind für Missbrauch gezeugt – Langjährige Haftstrafen für Paar aus NRW Die Vorwürfe waren ungeheuerlich: Melanie R. und Benjamin P. sollen ein Kind gezeugt haben, nur um es später sexuell zu missbrauchen. Das tat der Vater dann auch, als das Baby fünf Wochen alt war. Jetzt muss das Paar ins Gefängnis. Essen.- Der Plan war so entsetzlich, die Umsetzung so grausam, dass die Tat “außerhalb des Bereichs unserer Vorstellung” liege, betonte Staatsanwalt Gabriel Wais am Landgericht Essen. Melanie R., 26, und Benjamin P., 27, sollen ein Kind gezeugt haben – aus einem einzigen Grund: Sie wollten es sexuell missbrauchen. Am Montag wurde das Urteil in dem Fall gesprochen. Der 27-jährige Angeklagte aus Gelsenkirchen wurde zu   a c h t , seine ein Jahr jüngere Partnerin zu  f ü n f J a h r e n  Haft wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs verurteilt.   D i e    R i [...]

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MARC AUREL – Selbstbetrachtungen 3. Buch

23. April 2012 | Kategorie: Artikel, Marc Aurel

Marc Aurel Drittes Buch 1. Wir müssen uns nicht bloß sagen, dass das Leben mit jedem Tage schwindet und ein immer kleinerer Teil davon übrig bleibt, sondern auch bedenken, dass es ja ungewiss ist, wenn man ein längeres Leben vor sich hat, ob die Geisteskräfte immer gleichbleiben und zum Verständnis der Dinge, so wie zu all den Wahrnehmungen und Betrachtungen hinreichen werden, welche uns auf dem Gebiete des Göttlichen und Menschlichen erfahren machen. Denn wie viele werden nicht im Alter kindisch! Und bei wem ein solcher Zustand eingetreten ist, dem fehlt es zwar nicht an der Fähigkeit zu atmen, sich zu nähren, sich etwas vorzustellen und etwas zu begehren, aber das Vermögen, sich frei zu bestimmen, die Reihe der Pflichten, die ihm obliegen, zu überschauen, die Erscheinungen sich zu Stück für Stück zu verdeutlichen und darüber, ob’s Zeit zum Sterben sei oder was sonst einer durchaus geweckten Denkkraft bedarf, sich [...]

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Notizen zur Zeit. Mehr als Unfug. Von W.K. Nordenham

09. April 2012 | Kategorie: Artikel, Grass, Notizen zur Zeit

Stern.de 08.04.2012 Nach kritischem Gedicht: Israel lässt Grass nicht mehr einreisen. Die Empörung über das Gedicht von Günter Grass hat jetzt handfeste Folgen: Der israelische Innenminister erklärt den deutschen Schriftsteller zur Persona non grata – und verhängt ein Einreiseverbot. Literaturnobelpreisträger Günter Grass darf wegen seines israelkritischen Gedichts nicht mehr nach Israel einreisen. Die israelische Regierung erklärte ihn am Sonntag zur Persona non grata, bestätigte ein Sprecher des Innenministers Eli Jischai. Die Sache ist zu ernst, um sie dem Boulevard und den Tagschreibern zu überlassen. Günter Grass darf also nicht mehr nach Israel reisen, was er wohl auch so nicht vorgehabt hätte, obwohl er doch nur eine abwegige, unsinnige Meinung geäußert hat, die des Aufhebens nicht wert gewesen wäre. Manchmal jedoch hat Dummschwätzerei unerwartete Folgen, denn offensichtlich ist es Herrn Grass gelungen, ein ganzes Land, bzw. dessen Regierung persönlich zu beleidigen. Demokratien pflegen mit abweichenden Meinungen minderer Qualität souveräner umzugehen und [...]

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Notizen zur Zeit. Grober Unfug. Von W.K. Nordenham

06. April 2012 | Kategorie: Artikel, Grass, Notizen zur Zeit

Welt online  6.4.2012 Hamburger Autorenvereinigung Grass-Gedicht “Viel Lärm um nichts” Hamburg (dpa/lno) – Die Hamburger Autorenvereinigung rät in der kontroversen Debatte um das jüngste Gedicht von Günter Grass zu mehr Gelassenheit. «Man sollte alles ein wenig tiefer hängen», sagte der Vorsitzende der Vereinigung, Gino Leineweber, am Freitag in Hamburg. «Betrachtet man das sogenannte Gedicht ohne den Namen des Verfassers, wäre es dieser Kunstform kaum zugeordnet worden. Es ist literarisch ein Nichts, dessen Bewertung die Mühe nicht lohnt.» Wenn Günter Grass seinen Ruf schädige, sei das bedauerlich für einen Schriftsteller, der Großes geleistet habe, betrachte man sein gesamtes künstlerisches Schaffen. Der Hamburger Autorenvereinigung ist zu danken, auch dafür, dass sie das  Lebenswerk von dem “Gedicht” trennt.  Wenn sie meint, eine Bewertung lohne  d e r  Mühe nicht, so trifft das zu, unterschlägt aber die Wirkung der Grass-Polemik auf  antisemitische Wirrköpfe und Schweinehunde im Geiste, deren Gebell aus dumpfen Tiefen umgehend herauftönt [...]

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Apokalypse. Von Karl Kraus

02. April 2012 | Kategorie: Artikel, Aus "Die Fackel", Notizen zur Zeit, Zeitzeugnisse/Zeitzeugen

Es gibt eine Aktualität, die zeitlos ist. Die Frage,  warum Karl Kraus von Jahr zu Jahr lebendiger wird, kann von niemandem besser beantwortet werden als im Folgenden von ihm selbst. Haufenweise haben sich an ihm die Geister, Plagegeister und Ungeister abgearbeitet und mit dem Versuch ihres Gegenbeweises den Beweis geführt, dass er  recht hat. W.K.Nordenham DIE FACKEL Nr. 261—62 WIEN, 13. OKTOBER 1908 X. JAHR Apokalypse. (Offener Brief an das Publikum.) »Den Überwinder will ich genießen lassen von dem Lebensholze, das in meines Gottes Paradiese steht.« Am 1. April 1909 wird aller menschlichen Voraussicht nach die ‚Fackel‘ ihr Erscheinen einstellen. Den Weltuntergang aber datiere ich von der Eröffnung der Luftschiffahrt. Eine Verzögerung beider Ereignisse aus äußeren Gründen könnte an meiner Berechtigung nichts ändern, sie vorherzusagen, und nichts an der Erkenntnis, dass beide ihre Wurzel in demselben phänomenalen Übel haben: in dem fieberhaften Fortschritt der menschlichen Dummheit. Es ist meine Religion, [...]

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Tagebuch II. Von Karl Kraus

29. März 2012 | Kategorie: Artikel, Aus "Die Fackel"

DIE FACKEL Nr. 254—255. 22. Mai 1908. X. Jahr. S. 33 -35 Tagebuch Auch ein anständiger Mensch kann, vorausgesetzt, dass es nie herauskommt, sich heutzutage einen geachteten Namen schaffen. * In Lourdes kann man geheilt werden. Welcher Zauber sollte aber von einem Nervenspezialisten ausgehen? * Ich habe um mancher guten Entschuldigung willen gesündigt und darum wird mir vergeben werden. * Selbstbespiegelung ist erlaubt, wenn das Selbst schön ist. Aber sie erwächst zur Pflicht, wenn der Spiegel gut ist. * Der persönliche Umgang mit Dichtern ist nicht immer erwünscht. Vor allem mag ich die Somnambulen nicht, die immer auf die richtige Seite fallen. * Ihm gebührt das Verdienst, in die Anarchie des Traums eine Verfassung eingeführt zu haben. Aber es geht darin zu, wie in Österreich. * »Zu neuen Taten, tapferer Helde, wie liebt’ ich dich, ließ’ ich dich nicht!« So spricht das Weib Wagners. Dem Helden müsste bei solcher Bereitschaft [...]

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Die Sprache. Von Karl Kraus

18. März 2012 | Kategorie: Anthologie der Menschheit, Aus "Die Fackel", Sprache

DIE FACKEL Nr. 885—887 ENDE DEZEMBER 1932 XXXIV. JAHR Die Sprache Der Versuch: der Sprache als Gestaltung, und der Versuch: ihr als Mitteilung den Wert des Wortes zu bestimmen — beide an der Materie durch das Mittel der Untersuchung beteiligt — scheinen sich in keinem Punkt einer gemeinsamen Erkenntnis zu begegnen. Denn wie viele Welten, die das Wort umfasst, haben nicht zwischen der Auskultation eines Verses und der Perkussion eines Sprachgebrauches Raum! Und doch ist es dieselbe Beziehung zum Organismus der Sprache, was da und dort Lebendiges und Totes unterscheidet; denn dieselbe Naturgesetzlichkeit ist es, die in jeder Region der Sprache, vom Psalm bis zum Lokalbericht, zum Lokalbericht, den Sinn dem Sinn vermittelt. Kein anderes Element durchdringt die  Norm, nach der eine Partikel das logische Ganze umschließt, und das Geheimnis, wie um eines noch Geringern willen ein Vers blüht oder welkt. Die neuere Sprachwissenschaft  mag so weit halten, eine schöpferische [...]

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MARC AUREL – Selbstbetrachtungen 2. Buch

12. März 2012 | Kategorie: Anthologie der Menschheit, Artikel, Marc Aurel

Das erste Buch enthält im Wesentlichen autobiographische  Einzelheiten und bleibt deshalb zunächst unberücksichtigt. Marc Aurel Zweites Buch 1.Morgens früh sagst Du Dir: Ich werde einen aufdringlichen, undankbaren, frechen, falschen, missgünstigen, unfreundlichen Menschen treffen.  All diese Eigenschaft haben sie ja nur, weil sie sich im Unklaren darüber sind, was gut und was böse ist. Ich aber, der das Wesen des Guten erkannt hat, dass es schön ist und des Bösen, dass es hässlich ist, wie auch die Natur des gegen mich Zuwiderhandelnden. Das heißt zwar, dass er mit mir verwandt ist-   hat er auch nicht an demselben Blut oder der Keimzelle mit mir teil, so doch an demselben Geist und der gleichen göttlichen Abkunft-, aber ich kann von ihm keine Schaden erleiden. Denn in Schande kann mich keiner stürzen. Ich kann auch meinem Verwandten nicht zürnen oder ihm ein feindlich gesinnt sein. Denn wir sind zur Zusammenarbeit bestimmt, wie die [...]

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Vorurteile. Von Karl Kraus

05. März 2012 | Kategorie: Artikel, Aus "Die Fackel", Vorurteile

Die Fackel Nr. 241 WIEN, 15. JÄNNER 1908 IX. JAHR  S. 1-8 Es gibt zweierlei Vorurteil. Das eine steht über allem Urteil. Es nimmt die innere Wahrheit vorweg, ehe das Urteil der äußern nahegekommen ist. Das andere steht unter allem Urteil; es kommt auch der äußern Wahrheit nicht nahe. Das erste Vorurteil ist über die Zweifel des Rechts erhaben, es ist zu stolz, um nicht berechtigt zu sein, es ist unüberwindlich und führt zur Absonderung. Das zweite Vorurteil lässt mit sich reden; es macht seinen Träger beliebt und ist auch als Verbindung eines Urteils mit einem Vorteil praktikabel. * Der Philister langweilt sich und sucht die Dinge, die ihn nicht langweilen. Den Künstler langweilen die Dinge, aber er langweilt sich nicht. * Ich unterschätze den Wert der wissenschaftlichen Erforschung des Geschlechtslebens gewiss nicht. Sie bleibt immerhin eine schöne Aufgabe. Und wenn ihre Resultate von den Schlüssen künstlerischer Phantasie bestätigt werden, [...]

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